Hinabgestiegen in das Reich des Todes

Shownotes

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ – der unscheinbare Satz aus dem Glaubensbekenntnis verweist auf das Geheimnis des Karsamstags: den stillen, verborgenen Weg Christi in die Tiefe des Todes. In dieser Folge schauen wir mit Dr. Christoph Freilinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Österreichischen Liturgischen Instituts und Dr.in Ilaria Hoppe, Professorin an der KU Linz, wie sich dieser Schwellenraum – zwischen Ende und Neubeginn – sowohl theologisch und liturgisch als auch in der Kunst zeigt.

Christoph Freilinger erklärt die grundlegende Bedeutung dieses Satzes und warum der Karsamstag damit nicht bloß ein stilles „Dazwischen“ zwischen Kreuz und Auferstehung ist. Er bringt Beispiele, wie sich das auch in der Liturgie wiederfindet und welche Hoffnung wir aus diesem Abstieg schöpfen können: „Selbst, wenn ich in die äußerste Finsternis gehe, ist Gott trotzdem auch noch dort, und diese Finsternis ist dann nicht mehr finster, sondern Licht, weil Gott das Licht ist in meiner Dunkelheit. Das andere ist der Aspekt, dass während auf der Erde getrauert wird um den Toten, unter der sichtbaren Oberfläche etwas Entscheidendes passiert, nämlich dass Jesus die Menschheit aus der Dunkelheit herauszieht. Für mich ist das ein schönes Bild, dass Gottes Heilswirken schon angefangen hat, auch wenn wir es noch nicht sehen. “

Wie die Kunst den Abstieg und das Heilswirken Christi darstellt, schildert Ilaria Hoppe. Sie zeigt, wie sich diese Bildtradition im Lauf der Jahrhunderte verändert hat und wie unterschiedlich Ost- und Westkirche den Abstieg Christi interpretieren. Darüber hinaus erklärt sie, wie zeitgenössische Künstler:innen zwar weiterhin Motive des Limbus – jenes in der Tradition beschriebenen „Ortes der Toten“, der als Bereich zwischen Himmel und Hölle gedacht wurde – aufgreifen, diese jedoch von ihrer religiösen Bedeutung lösen: „Was betont wird, ist die Vorstellung eines Ortes, wo Zeit und Raum aufgehoben sind: ein Ort, der auf Dauer gestellt ist, der nicht von unserer Welt ist, der ein Dazwischen markiert, mit dem Motiv das Wartens in Verbindung gebracht wird und eher dystopisch ist. Was dann oft verloren geht, ist das christliche Motiv der Hoffnung.“