Mahl halten

Shownotes

Ein Mahl ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist eine Form des Zusammenkommens und des Teilens. Beim gemeinsamen Essen entstehen Begegnungen und Austausch. Im Mai, wenn viele Kinder ihre Erstkommunion feiern, erhält das Mahl eine spezifische religiöse Bedeutung. In der Kommunion wird das Teilen zu einem Zeichen von Zugehörigkeit, Empfang und Weitergabe. Das Mahl steht dabei für Gemeinschaft, die über den einzelnen Anlass hinausreicht. Diese Folge geht der Frage nach, was es heute bedeuten kann, Mahl zu halten – in einer Zeit, in der Essen häufig funktional organisiert und gemeinsames Essen seltener geworden ist.

Valentin Stelzer, Religionslehrer am Bischöflichen Gymnasium Petrinum in Linz, spricht über das Projekt „Essen für die Seele“, das gemeinsames Essen mit Obdachlosen bewusst als Ort der Gastfreundschaft, nicht als Hilfe versteht, und zeigt, wie aus der Begegnung auf Augenhöhe eine Gemeinschaft entsteht. Er reflektiert, wie sich die von Jesus gelebte Mahlgemeinschaft und Eucharistie zueinander verhalten und was wir verlieren, wenn das gemeinsame Mahl immer seltener wird: „Gemeinsam Mahl halten heißt, ich nehme mir Zeit. Zeit für mich selbst, aber vor allem – ich nehme mein Gegenüber bewusst wahr, ich lasse mich auf mein Gegenüber ein. Das ist dann nicht nur einfach ein Akt des Überlebens, dass man Nahrungsmittel zu sich nimmt, sondern ein wirklich urmenschliches Bedürfnis: in Beziehung treten durch Mahl halten.“

Mit dem Philosophen und Gastrosophen Thomas Mohrs werfen wir einen Blick auf den Ursprung und die Bedeutung der Gastrosophie, die Essen auch als ethische Praxis versteht. Wir sprechen über die Rolle jedes und jeder Einzelne:n als Konsument:in, darüber, warum der Satz „Du bist, was du isst“ mehr über Identität als über Ernährung aussagt, weshalb Bildungseinrichtungen in einer Zeit, in der immer seltener gemeinsam gegessen wird, zentrale Orte sind, um die Praxis des gemeinsamen Essens einzuüben und ob bewusstes Mahlhalten selbst schon ein Schritt zu einer gesünderen und verantwortungsvolleren Ernährung sein kann: „Wenn es uns gelingt, wieder das gemeinsame Mahl in einem positiven Sinn zu etablieren - Immanuel Kant hatte jeden Mittag seine Mittagsgesellschaft, also eine Mahlgemeinschaft, durchaus auch fröhlich und witzig – ja, ich glaube, dass es eine Veränderung der Wertigkeiten bewirken könnte.“

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00:00:04: Ein Mal, das ist mehr als Nahrungsaufnahme.

00:00:07: Es ist eine Form des Zusammenkommens, des Teiles und des Miteinanders.

00:00:11: Gemeinsames Essen schafft Begegnung und Beziehung.

00:00:15: In dieser Folge beschäftigen wir uns mit Religionslehrer Valentin Stelzer und dem Philosophen und Gastrosophen Thomas Morris mit der Frage, was es heute heißen kann malzuhalten.

00:00:25: In einer Zeit in der Essen oft funktional organisiert ist und gemeinsame Mahlzeiten seltener werden gehen wir der Frage nach welche Bedeutung die Mal dennoch oder gerade deshalb zukommt?

00:00:37: Wir sprechen über Malgemeinschaft als soziale religiöse und ethische Praxis im konkreten Tun, im Nachdenken darüber und im Blick darauf was Essen für unser Zusammenleben bedeuten kann.

00:00:49: Lieber Valentin, bleiben wir gleich einmal bei der sozialen Praxis und dem konkreten Tun.

00:00:55: Seit vier Jahren gibt es in deiner Schule den Petrinum in Linz das Projekt Essen für die Seele.

00:01:00: Da ladet ihr einmal im Monat Obdachlose zu einem gemeinsamen Mal in jeweils ein anderes Pfarrheim in Linze ein.

00:01:06: Wer hatte dir die zu dem Projekt?

00:01:08: oder wie ist das eigentlich entstanden?

00:01:10: Wir nehmen euch Schule alle zwei Jahre beim Seventies Stunden ohne Kompromiss teil.

00:01:15: Das ist so Österreichs größtes Jugendkaritativprojekt.

00:01:20: Und da sind wir zugeteilt worden, also gar nicht von uns gewollt, aber wir sind zugeteilt worden der Obdachlosen-Selsoge von Linz, damals unter Helmut Eder und er hat mit uns zu dem Thema gemacht.

00:01:31: Zuerst haben die Schülerinnen und Schüler und ich einen kleinen Rundgang durch Linz und die ganzen obdachlosen Einrichtungen gekriegt.

00:01:39: Das war gleichzeitig unglaublich interessant und erschreckend!

00:01:42: Und dann haben wir für unsere Gäste Das war auch ein ganz wichtiger Punkt, dass wir gelernt haben das sind nicht die Obdurchlosen sondern das waren unsere geschätzten Gäste.

00:01:52: Haben wir einfach da einen Mal für sie zugereitet und bei dem sind wir gleich drauf gekommen.

00:01:58: dieses gemeinsame Essen ist viel wichtiger, dass es nicht nur um die Nahrung an sich geht, sondern um dieses gesehen werden und wertgeschätzt werden.

00:02:07: also wir haben da am Ende von diesen zwei oder sieb Stunden der Name des Programmen aber dann wirklich der Helmut hat die Einwörderungen ausgesprochen Und dann haben wir da am Domplatz ein wunderschönes Ambiente, eine schöne Konlisse.

00:02:17: Da haben wir dann, ich glaube, sechs, siebzehnte Gäste gehabt und vor allem ... Wir haben uns mit einen gemeinsam zusammen gesitzt und haben mal gereden.

00:02:25: Das war so ein unglaublich schöner Moment!

00:02:28: Dann war es wieder vorbei.

00:02:30: Ein Wochen später ist der Schüler, wenn er zu mir gekommen hat, mittlerweile schon maturiert, studierte Zöbertiologie in Linz und hat gesagt Herr Professor?

00:02:37: Was soll denn das überhaupt?

00:02:39: Wenn man nicht rauskommt, sieht man es dann erläutert und sagt So eine wunderbare Aktion.

00:02:44: Warum ist das jetzt schon wieder vorbei?

00:02:46: Machen wir es doch länger.

00:02:47: Genau, und aus dem ist dann die mittlerweile vierjährige Essen für die Seeleaktion

00:02:53: geworden.".

00:02:54: Du sprichst jetzt bewusst von Gastfreundschaften nicht von Hilfe – also die Obdachlosen sind eure Gäste!

00:03:00: Es setzt euch ja auch mit ihnen zusammen und essen gemeinsam.

00:03:04: Warum ist diese Unterscheidung so wichtig?

00:03:07: Für mich beim sementischen Begriff von Hilfe hat man immer zwar ganz klar verteilte Rollen Dann ist der Aktivgebende, negative formuliert jetzt auch ein bisschen von oben herab.

00:03:19: und bei Gastfreundschaft da beginnen uns wieder auf Augenhöhe.

00:03:23: Und das glaube ich ist das essentielle insgesamt beim Mahlhalten aber als bei unserem Projekt Essen für die Seele dass man sie auf Augen Höhe begegnet.

00:03:31: Ich glaube es gibt ganz viele Einrichtungen die Speisen austeilen Es gibt ganz viel Menschen mit dem anderen hinsitzen Und genau das, den Menschen als solches wahrnehmen.

00:03:43: Ich glaube, dass dies das Wichtigste ist.

00:03:44: Nun viel wichtiger eben, als wir essen für den Leib sind da dieses Wir sitzen uns nicht auf gastfreundschaftlicher Ebene, nicht auf Hilfe von oben und dann eben auf Essen für die Seele.

00:03:56: plakativ formuliert jetzt

00:03:58: Auf Augenhöhe begegnen – Ist es auch das was dich berührt wenn ihr mit euren Gästen das Essen teilt?

00:04:05: Ja, ich war glaube wahrscheinlich am Anfang fast ein bisschen arrogant oder in meiner eigenen Bubble gefangen.

00:04:11: Ich habe immer die Verkäufer von den Straßenzeitungen und man geht hin und denkt sich mal als gönnerhaft oder wie immer nach, behäuter die Zeitung.

00:04:21: aber das ist uns auch damals im diesen Rundgang erzählt worden.

00:04:24: es geht auch um diese Wertschätzung und die Selbstwirksamkeit von dem Menschen.

00:04:27: also sie brauchen nicht nur schon die zwei drei Euro oder die brauchen jetzt nicht nur einfach an Mahlzeit sondern die müssen Warknummer werden Und das sind unglaublich Interessante, das sind liebenswerte Menschen wie du und ich.

00:04:40: Und da einfach mit samm sitzen auf dem Tisch.

00:04:43: Also nicht ist er irgendwo anonym hinter einer Buddel und teilt dann meine Speisen aus sondern wir sitzen uns zu unsere Gäste.

00:04:50: Und dann tritt man ins Gespräch und kommt mal drauf an.

00:04:53: Unglaublich interessante Persönlichkeit!

00:04:56: Das sind natürlich auch irgendwelche Klischees... ...das gibt aber die meisten von denen wie du und ich, und haben irgendwelche Schicksalsschläge durchleiden müssen.

00:05:08: Wann ist für dich dieser Moment beim Essen in dem du merkst das ist jetzt gerade eine echte Gemeinschaft die der Stadt findet?

00:05:15: Ich glaube spätestens dann wenn jeder sein Kaffee hat, dann ist jeder angekommen, dann redet man gemeinsam.

00:05:23: und mittlerweile durch das es uns seit vier Jahren gibt unsere Gäste erzählen uns auch schon Jetzt im letzten Monat ist das und das passiert oder da habe ich mir weiterentwickelt, oder das hat nicht so funktioniert.

00:05:35: Also hier ist man im Austausch.

00:05:37: Dadurch dass es uns schon so lange gibt, glaube ich, ist dieses Eintauchen auf dieser gemeinsamen Ebene sein, passiert viel schneller.

00:05:45: Wir erleben deine Schülerinnen und Schüler diese Gemeinschaft mit den Auftachlosen Und was denkst du?

00:05:50: Nehmen Sie daraus mit?

00:05:52: Da möchte ich dir klärme ein ganz wichtiger Land zu brechen für unser Jugend, wenn man sie vor Augen führt Samstags, also da wo es eigentlich vom Fortgenau in die Betten liegt hinten sind ja immer zehn, zwanzig Jugendliche, die da helfen.

00:06:06: Für fremde Menschen, die sie nicht kennen, sie bereiten die Speisen die Tage vorher zu direkt vor Ort, gängen dann in Kontakt, eröffnen sich selber, werden berührt – also treten in Resonanz mit der gesamten Menschheit.

00:06:20: Also unser Jugend ist unglaublich gut, sie ist zumotivieren und was Sie mitnehmen.

00:06:26: Also, wir machen immer noch so eine Reflexionsrunde.

00:06:28: Waren die Gäste da an uns verlassen haben?

00:06:30: Und was dafür ... Wir Wortmeldungen kommen von den Jugendlichen.

00:06:34: Das war heute voll interessant.

00:06:35: der Herr oder die Dame hat man das und das erzählt.

00:06:38: Ob es dann in die Familienmetronik oder was dann daraus geschieht, das weiß ich nicht.

00:06:42: Aber ich glaube, dass ist ein unglaublich wichtiger Samen, der da gesät wird.

00:06:45: Dass Adi die Scheu vor dem anderen, vor dem Fremden, vor einem Unbekannten... Wir sind alle in unserer, wie gesagt, Bubble drinnen wo man eigentlich keinen Kontakt zu solchen Menschen hätten.

00:06:56: Aber dass man da auch ein wenig mehr Wertschätzung dann sieht und spürt, das sind unglaublich lebenswerte Menschen.

00:07:02: Die halt vielleicht ein bisschen ein Pech gehabt haben bei ihnen in einer Obzweigung im Leben.

00:07:08: Gibt es da manchmal auch Berührungsängste bei den Jugendlichen?

00:07:10: Ja

00:07:10: sicher!

00:07:11: Nicht nur von der Jugendlichen, aber auch von mir oder von anderen Erwachsene.

00:07:15: Vor allem so mein Rolli ist ja trotzdem ein bisschen die Beschützende würde ich sagen ohne dass du was zu viel anmassen möchtest.

00:07:25: ist vielleicht mit Übergriffigkeit.

00:07:27: unsere jüngsten Helfer-Helferinnen sind zwölf, dreizehn Jahre.

00:07:31: Wie ist dann, wenn da irgendein zwei Meter Mann oder Frau, die irgendwie vielleicht bläde allen spricht?

00:07:37: Da in den ganzen vier Jahren haben wir eigentlich nur nie wirklich Probleme gehabt.

00:07:41: also da bin ich auch sehr dankbar sprich dafür wer unsere Gäste sind und diese ganzen Berührungsängste an sich, die sind spätestens nach dem ersten Mal heute miteinander weg.

00:07:55: Jesus hat ja auch auffallend oft mit Menschen gegessen, die am Rande standen.

00:07:59: Was bedeutet diese Malpraxis von Jesus für dich?

00:08:03: Für mich ist die Jesu-Malpraxis eigentlich ganz zentral.

00:08:07: In meinem verständnis und in meinem dialogischen Verständnis ist Jesus mal komplett radikale offene Tischgemeinschaft.

00:08:13: Also es ist nicht wer bist du und dann darfst du kommen sondern kung zu mir.

00:08:18: also die Einladung steht ja unbedingt am Anfang für jeden.

00:08:22: Er hat mit Frauen, Männern und freien Menschen mit Sklaven gegessen.

00:08:26: Ich glaube das war zur damaligen Zeit wie heute ein unglaublicher Apparenzstoff für die Gesellschaftspolitik der damaliger Zeit.

00:08:34: Und für heute eigentlich nur genauso.

00:08:36: Je so ... Theologie, wenn man es jetzt mal formulieren darf, die hat er immer kombiniert in diesen Mahl halten.

00:08:43: Das war eben am Tisch!

00:08:45: Auch wieder durch diese Wichserabschädigung ist meine Interpretation von dem.

00:08:49: ich bin kein Theologe Aber Jesus hat sich zu den Menschen gesetzt.

00:08:54: Und sobald man auf Augenhöhe ist, dann ist das keine Belehrung von oben herab, sondern dann ist es ein sichtbares Zeichen.

00:09:00: Also da spricht diese orthodoxie und die Orthopraxy – was wir jetzt immer so nennen wollen -, dass Jesus einfach das vorgelebt hat.

00:09:08: Also Jesus war diese Orthopraksee immer wichtiger!

00:09:12: Jetzt im Mai feiern ja viele Kinder ihre Erstkommunion unter Leben damit erstmals die eucharistische Mahlgemeinschaft.

00:09:18: Gibt es vielleicht etwas, was wir aus deinem Projekt und der Malpraxis von Jesus für diesen Moment die Erstkommunion mitnehmen könnten?

00:09:27: Es ist ein wunderbarer und magischer Moment.

00:09:29: Ich kann mich selber nicht mehr so genau erinnern, das ist schon zu lange her aber auch jetzt bei meiner Nichte... Also das sind wunderschöne Momente dass man da Teil dieser Gemeinschaft ist.

00:09:40: Vielleicht wenn du sagst mitnehmen, dass es nicht egalitär ist, dass ich nicht irgendwie ausschließend exklusiv bin sondern dass dieser Botschaft von Jesus ist, die wahrscheinlich nur immer Gültigkeit hat.

00:09:53: Dass jeder willkommen ist und das dieses gemeinsamen Mahlhalten jetzt nicht an irgendwelche theologische Dokumen oder Zulassungsbestimmungen geknüpft ist, sondern dass man sagen dieses Wunder, Eucharistie jetzt hochgestochener Teleformuliert aber so dieses gemeinsame Mahl halten ist für jeden möglich und es für jeden wichtig.

00:10:14: Also es ist kein Widerspruch, dass Jesus zwar mit allen Menschen Mahlgemeinschaft gelebt hat.

00:10:19: Die Eucharistie aber in bestimmte Voraussetzungen gebunden ist, weil sie diese akramentale Teilhabe an Jesus Christus und einer Kirche ist?

00:10:28: Nein überhaupt nicht!

00:10:29: Das eine ist, würde man sagen das historische und das eine ist einmal der urchristliche Gedanke.

00:10:36: Ich glaube nicht, dass dies irgendwie dem widerspricht was man dann in der Liturgie feiert.

00:10:41: Das ist ja einfach die symbolische Verdichtung von dem Ganzen, der gesamten jesuanischen Botschaft.

00:10:46: Vielleicht wenn man jetzt wirklich so eine Botschaft mitnehmen möchte meiner Meinung nach dann könnte man sagen es wäre eventuell wünschenswert dass wir als Kirche sagen hey nicht wer darf zu unserer Orchoristie sondern eher wie viele Menschen sollte man nur einladen egal woher und die stammen damit dann diese Jesu-Botschaft wieder sichtbarer wird

00:11:08: Und zusammen gefasst gesagt Egal vor welchem Hintergrund oder mit wem wir gemeinsam malhalten.

00:11:14: Wir verlieren als Gesellschaft aber auch ganz persönlich etwas, wenn Malgemeinschaften immer seltener

00:11:19: werden.".

00:11:20: Ja definitiv!

00:11:22: Also gemeinsam mal halten heißt ich nehme mir Zeit.

00:11:25: Ich nehme mein Zeit erstens einmal schon für mich selber.

00:11:28: also ich tue das nicht nur schnell schnell nebenbei, nehme meinen ganzen hunderttausend Pflichten aber vor allem ich nehme mein Gegenüber bewusst wahr und lasse mich auf mein Gegenüberein Und dementsprechend besitzen wir uns am Tisch, ob das jetzt der geteilte Kaffee ist oder ob es wirklich ein opulentes Mal ist.

00:11:43: Da tritt man in Beziehung.

00:11:45: Also das ist nicht einfach nur dann ein Akt des Überlebens, dass man Nahrungsmittel zu sich nimmt sondern dieses dann wirklich so, ich denke mal urmenschliches Bedürfnis auch im Beziehungen treten durch Mahlhalten.

00:11:58: Der Blick auf das gemeinsame Mal zeigt Essen ist nie nur Nahrungsaufnahme.

00:12:03: Diese Einsicht findet sich nicht nur an der Theologie sondern auch in der Philosophie und vor allem in der Gastrosophie.

00:12:10: Thomas Maas, Sie sind Philosoph und Gastrosof.

00:12:13: Gastrosophy ist die Lehre von der Weisheit des Essens – und die Ursprünge reichen bis weit in die Antike zurück.

00:12:20: also sie ist alles Anderes neu, ist aber trotzdem viel nicht geläufig!

00:12:26: Also in der Sache ist es sicher uralt, die Habitationsschrift von Hart-Lehmke Einführung in die Gastrosophie zeigt das eigentlich von der Antike weg bis heute.

00:12:37: Das Thema Essen Ernährung immer Gegenstand vor allem der praktischen Philosophie war wobei es immer Schwerpunkte gegeben hat etwa im Ausgang von Platon wo dann Ernährungen reduziert wurden ist oft das Notwendige für den Körper und der Geist braucht eine völlig andere Speise.

00:12:54: Und da gibt es natürlich andere Traditionen, die völlig anders an die Sache rangehen.

00:12:59: Der Begriff wird eigentlich noch gar nicht so lange verwendet.

00:13:03: Im XIX Jahrhundert hat der Baron von Ferst ein zweibändiges Werk rausgegeben – Gastrosophie oder die Lehre von den Freuden der Tafel ist ansonsten relativ langlos.

00:13:14: dieses Werk aber in der Einleitung unterscheidet von Fers zwischen dem Gourmet und dem Gastrosofen.

00:13:23: Der Goumé ist der, dem es um den vollen Bauch geht.

00:13:27: Möglichst viel, möglichst gut, möglichst billig!

00:13:31: Der Gourmet ist der bei den Speisen immer nur das edelste Welt und im Zweifel auch immer das teuerste.

00:13:37: Und der Gastrosoph ist der beim Essen das gute Welt unter Berücksichtigung der Gesundheit und der Sittlichkeit.

00:13:46: Und wenn wir heute Sittlichkeit mit Ethik übersetzen, dann ist das eigentlich so einer der Kerngedanken.

00:13:51: Dass es bei der Gastro-Sophie eben auch unter anderem

00:13:55: um

00:13:56: Ethik geht – um ethische Fragen der Ernährung.

00:13:59: Die Ethik ist ja aber nur ein Teilgebiet.

00:14:02: Die Gastrosophie ist ja sehr multidisziplinär aufgestellt mit Ernährungs- und Gesundheitswissenschaft, Psychologie, Kulturgeschichte... Aber es geht zum Beispiel auch um Journalistik.

00:14:11: also wie über Essen berichtet wird Konzentrieren wir uns trotzdem auf die Ethik, der Ihr Spezialgebiet ist.

00:14:18: Können Sie näher ausführen was Ethik der Ernährung alles umfasst?

00:14:22: Wenn man ein bisschen näher darüber nachdenkt stecken wir eigentlich immer wenn wir uns mit Lebensmitteln beschäftigen in ethisch relevanten Kontexten wo kommen die Produkte her wie werden sie produziert von wem unter welchen Bedingungen und was hängt mit dem allem zusammen?

00:14:42: Und beim Einkaufen gibt es viele Faktoren zu berücksichtigen, was sind das für Produkte die ich einkaufen mag?

00:14:49: Ganz abgesehen von den Empfehlungen wie wir uns wirklich vollwertig und gesund ernähren können.

00:14:55: Ja und dann die ganzen Zusammenhänge.

00:14:58: wenn ich etwa als Beispiel den Weltagrabericht nehme der kommt zum Beispiel zum Ergebnis dass mit Blick auf die Zukunft der Landwirtschaft eine doch sehr grundlegende Wände, erforderliches Weg von dieser Agroindustrie.

00:15:12: Von der industriellen Intensiven und natürlich auch Rohstoffintensiven hin zu einer kleiner strukturierten ökologisch wirtschaftenden Landwirtschaft.

00:15:23: Wenn wir das erreichen in Linz ist die Situation ja noch ganz gut.

00:15:26: Müllviertel ist eigentlich eine Vorzeigeregion in ganz Europa dann muss ich mich auch selbst fragen bin ich bereit für die Produkte die in meiner Region erzeugt werden Bioqualität faire Preise zu bezahlen, damit die Produzentinnen und Produzenten dort leben können.

00:15:43: Und das ist auch wieder so ein zweischneidiges Ding weil ich kann es mir als alleinstehender Professor leisten dass sich darauf achte wo ich meine Produkte einkauf und in welcher Qualität.

00:15:54: Das gilt bei weitem nicht für alle Menschen in diesem Land.

00:15:57: wie gesagt über eine Million gelten als Ernährungsarmuts gefährdet und das heißt dass sie gesund und vollwertiger nähern zu können.

00:16:09: Sie haben es schon angesprochen, gute regionale Lebensmittel sind auch eine Geldfrage.

00:16:15: Viele Menschen müssen jetzt beim Einkaufen genau hinschauen.

00:16:18: wie kann ich als Konsumentin oder Konsument trotzdem einen verantwortungsvollen Weg finden?

00:16:23: Und wo ist dann auch die Politik gefragt?

00:16:25: Die Politik ist natürlich ständig gefragt aber wenn wir kurz auf der Konsumentinnen- und Konsumentenebene bleiben Ich habe sehr viel mit Studierenden immer diskutiert.

00:16:35: Es kam sehr häufig natürlich das studentische Argument höherwertige Bioeinigung, kann ich mir nicht leisten.

00:16:41: Und wenn man da mal so ein bisschen nachfragt wo die Leute dann im Sommerurlaub hingeflogen sind und was vor ihnen auf dem Tisch liegt, ist es häufig eine Frage der Werte und der Wertigkeiten.

00:16:54: Das ist wiederum eine Bildungsfrage.

00:16:56: Ich habe vor... Etlichen Jahren Carlo Petrini kennengelernt in Wien, das war der Begründer von Slow Food.

00:17:03: Und er hatte eine flammende Rede gehalten und sein Handy geschwungen.

00:17:08: Schauen Sie!

00:17:08: Das bleibt immer außerhalb von Carlo Petrinni.

00:17:11: aber wenn ich Brot esse, wenn ich Schinken esse oder guten Käse esse dann wird es zu Carlo Petrimi.

00:17:18: Was muss mir wichtiger sein?

00:17:20: Die Mittel von und mit denen ich lebe... der bei der Hände, die das immer außerhalb von mir bleibt.

00:17:28: Und da haben sich meines Erachtens oder nach meiner Wahrnehmung die Werte ziemlich

00:17:32: verschoben.".

00:17:34: Es heißt ja auch so schön du bist was du isst?

00:17:36: Das spielt denn auch in diese Vorstellung rein.

00:17:39: Also das Zitat stammt von Ludwig Feuerbach aus einem Aufsatz der Achtzehnhundertfünfzig erschienen ist und Feuerbach meinte dass wirklich sehr konkret physiologisch.

00:17:50: Wir werden das, was wir uns

00:17:53: einverleiben.".

00:17:53: Das verwandelt sich ja Stoff im Stoffwechselprozess in uns selbst und von daher ist es alles andere als egal, was für uns ein Verleimen.

00:18:03: Ich versuch das immer zu veranschaulichen mit dem Bild von glücklichen Schweinen auf der grünen Magerwiese wo alles blüht und sprüht.

00:18:11: die Schweine sind glücklich.

00:18:15: Tierhaltungsstall auf den Spaltenböden, die mit Gensoja gefüttert wird.

00:18:20: Es ist ein Riesenunterschied.

00:18:22: was wir uns da einverleiben und das gilt eigentlich für alle Nahrungsmittelgruppen sind ja wieder bei dem Problem wer kann es sich leisten?

00:18:30: Und dazu vielleicht noch ein Gedanke.

00:18:34: Es geht auch häufig um fehlende Informationen.

00:18:38: wo kann man vergleichsweise günstig gute Produkte einkaufen?

00:18:41: is halt mit einem gewissen Aufwand und Mühe verbunden.

00:18:45: Aber es ist möglich und das gibt die Angebote.

00:18:49: Studien zeigen, dass immer mehr Menschen alleine essen zum Essen bleibt.

00:18:52: im heutigen Alter kommt Zeit Es wird zur Nebensache.

00:18:55: auf der anderen Seite nehmen Essstörungen massiv zu.

00:18:58: also es läuft etwas falsch oder?

00:19:00: Ja aber das haben sie ja zu recht angedeutet Die gesellschaftlichen Voraussetzungen haben sich völlig geändert.

00:19:06: Es bleibt einfach wenig Zeit fürs Essen.

00:19:09: Das ist wieder reduziert auf diese Notwendigkeit schnell schnell was reinstopfen damit der Magen befriedigt ist, aber das ist natürlich viel zu wenig.

00:19:20: Gemeinsames Essen war eine wichtige soziale Institutionen, wobei man es auch nicht so sehr idealisieren sollte, weil als soziale institution war das gemeinsame Mal immer ein Ort der Konflikte und der Auseinandersetzung.

00:19:34: Das gehört zur sozialen Gemeinschaft

00:19:36: dazu.".

00:19:37: und auch ein Ort der sozialen Rangordnung.

00:19:40: Wer sitzt wo?

00:19:41: Wer sitzt in der Nähe des Chefs, also ob es der Familienvater ist oder der Fürstrand bei der fürstlichen Tafel?

00:19:49: Das sind ja alle sehr komplexe soziale Phänomene die da rein spielen.

00:19:54: aber mittlerweile ist es tatsächlich so.

00:19:57: Essen wird vernachlässigt in seiner Bedeutung.

00:20:00: ich beobachte das vor allem in Schulen.

00:20:03: Wenn man sich Schulmenzen anschaut, das ist derart lieblos!

00:20:08: Das sind so langweilige kalte, kale Räume... Die Ausgabe der Speisen ist genauso liebloss, das geht schnell schnell und dann abfüttert und dann wieder weg.

00:20:19: Warum kann man Schulmensen nicht so gestalten, dass erstens die Qualität passt?

00:20:25: Ja, das kostet mir und dass die Menschen auch freundlich gestaltet sind.

00:20:30: Das muss ich da wohlfühlen kann und gerne mal in der Mittagspause zusammensitzt mit anderen und gemeinsam das Essen genießt und ja lacht und sich unterhält oder die Unmögliche Lehrerinnen der letzten Stunde diskutiert.

00:20:46: Whatever!

00:20:47: Da liegt vieles im Argen meines Erachtens und es wäre für eine... gute Ernährungsbildung, auch im Sinne der Nachhaltigkeit ein sehr wichtiger Ansatz hier in der Bildung anzusetzen und da qualitativ etwas zu bewegen.

00:21:04: Aber wären hier eigentlich nicht die erste Lehne der Eltern gefragt?

00:21:08: Ja theoretisch schon aber das kann ja auch soziale Hintergründe haben.

00:21:12: Kinder aus sogenannten Bildungsfernen, Familien oder sozial schwachen Schichten ernähren sich grundlegend schlechter.

00:21:21: Das ist nachgewiesen mit allen Konsequenzen die damit verbunden sind vor nämlich gesundheitliche Konseqenzen und die familiäre Situation ist ja häufig nicht mehr so dass da wirklich jemand da ist der kocht ich will ganz bewusst nicht die sagen so nach dem Motto die Frau soll zurück an den Herd hat die verfülligen Unsinn.

00:21:42: Als meine Kinder klein waren, hab ich in Erselin nicht gekocht.

00:21:46: Das war auch immer sehr schön.

00:21:49: Aber diese Situation ist ja kaum noch gegeben.

00:21:52: Die Kinder kommen zu einer anderen Zeit nach Hause als die Eltern.

00:21:56: Ich habe momentan die Situation mit meinem ältesten Enkelsohn.

00:21:59: der hat Donnerstagsnachmittag Unterricht und eine fünfzigminütige Mittagspause.

00:22:06: Es zahlt sich nicht aus, nach Hause zu fahren Werdert man auch so schnell, schnell.

00:22:11: Er kommt jetzt Sonnersagsmittag zu mir weil das nur ein fünf Minuten Fußweg ist und ich koche halt für ihn.

00:22:17: dann haben wir beide jedenfalls die Gemeinschaft Und dass ja läuft gut und ist für mich auch eine sehr willkommene Gelegenheit mit ihm ins Gespräch zu kommen.

00:22:29: Meine letzte Frage jetzt noch an Sie Glauben sie wenn wir uns wieder auf dieses gemeinsame Mal halten bis ihnen also uns wirklich Zeit nehmen selbst kochen Das Essen dann ja auch zelebrieren dass wir dadurch automatisch auch eine andere Wertvorstellung oder ein anderes Bewusstsein entwickeln für das, was wir essen.

00:22:46: Ja also davon bin ich überzeugt.

00:22:49: natürlich fällt es nicht einfach vom Himmel das heißt wenn ich solche Mahlzeiten Plane organisiere.

00:22:55: Ich habe das meinen größeren Maßstab gemacht im Innenviertel, dass dann da wirklich vierzig-fünfzig Leute waren und fünf-, sechs Gänge gemeinsam genossen haben die moderiert waren.

00:23:05: also ich hab die einzelnen Gänge moderiert der Braumeister hat die Getränke moderiert und es war eigentlich schön!

00:23:12: Es war einfach eine schöne Gemeinschaft.

00:23:14: alle haben genossen und es gab Impulse um die Leute zu animieren bewusst zu genießen und bewusster Genuss ist gesteigerter Genuss und drüber nachzudenken.

00:23:25: Und ich glaube, das ist das Allerwichtigste was wir auch in der Bildung leisten können Köpfe im Bewegungen bringen zum Nachdenken anregen Da bin ich natürlich wieder bei der Bildungsmeine aber ja selbstverständlich wenn es uns gelingt wieder dieses gemeinsame Mal In einem positiven Sinne zu etablieren.

00:23:42: Immanuel Kent hatte jeden Mittag seine Mittagsgesellschaft also eine Mahlgemeinschaft.

00:23:48: Das muss super abgelaufen sein durchaus Fröhlich und witzig.

00:23:53: Ja, ich glaube das ist eine Veränderung der Wertigkeiten vor Ursachen könnte.

00:23:59: Mystik und Geist präsentiert von der katholischen Kirche in Oberösterreich.